Presseaussendung

Die vielen Gesichter des Ruster Muskatellers

Muskateller historisch

„Holt ihn hoch den Muskateller! Diesen edlen Göttertrank!“ Lyrische Texte wie diesen intoniert der „Erste Ruster Männergesangsverein“ immer wieder. Seit über 600 Jahren steht Gelber Muskateller in den mineralisch-silikatischen Rieden südlich von Rust. Die Einheimischen nannten diese aromatische, aber schwierig anzubauende Rebsorte „Altweiner“, woher diese Bezeichnung kommt, kann ich auch nicht genau sagen. Speziell in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde „Muskat“ (gleichsam Kollektiv-Singular für zwei Sorten, nämlich Gelber Muskateller und Muskat Ottone) häufig vorverurteilt: Süß, breit, ja sogar „penetrant“

Muskateller - die Primadonna

Gegenwärtig hat sich die Situation zum deutlich besseren gedreht. Speziell der Gelbe Muskateller erfährt in Österreich einen regelrechten „Boom“. Woher das kommt? Zum einen hilft das immer größere Wissen (Laubarbeit, Lagenansprüche und Pflanzenschutz betreffend) bei der Pflege des durchaus kaprizierten Gelben Muskateller sehr:

Vinifikation im Stahltank, Tankpresse, Kühlmöglichkeiten und gesteigerter Ehrgeiz des Produzenten haben heute wesentlichen Anteil am Gelingen eines anregenden Gelben Muskateller. Penible Handernte durch geschultes Personal ist allerdings Grundbedingung für einen guten Wein aus unserer Traube. Nur wenn auf diese Weise physiologisch reife Trauben geerntet werden kann sich der feinwürzige Muskatellercharakter entwickeln. Trotzdem: Nichts platzt leichter auf und ist gegen Fäulnis empfindlicher als eine Beere vom Gelben Muskateller im September.

Die vielen Gesichter des Muskatellers bei Günter u. Regina Triebaumer

Muskateller wird wegen seiner begeisternden Aroma-Fülle geschätzt. Aber auch das hohe Säurepotenzial macht sie Sorte zum begehrten Lesegut. Erst dadurch ergeben sich Pikanz und Finesse von Weinen jeder Ausbauvariante aus Gelbem Muskateller. Deshalb zeigt die Sorte viele, schöne Gesichter.

Bevor wir auf sie eingehen noch ein Seitensprung zum Roten Muskateller. Er unterscheidet sich vom Gelben Muskateller einzig und allein durch die rote Pigmentierung der Beeren. Sie sind von einem Ton, welcher der menschlichen Hautfarbe ähnelt, ungefähr so wie bei Traminer oder frührotem Veltliner. Zu Wein verarbeitet schmeckt er genau so, wie Gelber Muskateller.)

Vom Ertrag her ist der Gelbe Muskateller eine „dankbare“ Sorte. Große, schwere Trauben mit vergleichsweise sehr großen Beeren sind die Regel. (Die schlechte Blütephase von 2009 liefert die Ausnahme: Wind und Regen Ende Mai! Daraus folgte die Halbierung des sonst üblichen Ertrages). In der betriebsinternen Weinhierarchie stellt der populäre Gelbe Muskateller praktisch immer den im Alkohol leichtesten Wein, der sich selten über 11,5% Vol. Alk. hinausbewegt. Herrlich: Diese Sorte kann vollkommen reif sein, ohne viel Zucker aufzuweisen.

Der klassische Gelbe Muskateller – das pikant-fruchtige Muskateller-Gesicht

In mehreren Chargen, die (oft schon mit August beginnend) separat geerntet vergoren werden. Die Gärung erfolgt bei gemäßigt kühlen Temperaturen (zirka 18°C). Das gehört sich so für einen „low tec/high effort-Betrieb“. Der „Klassische“ wird ausschließlich im Stahltank gelagert und meist aufgrund der großen Nachfrage schon im Jänner gefüllt und geschraubt. Bestens nachgefragt, zumal aus dem Inland. Das liegt an seinem Charme, der Reschheit und Eleganz vereint. Vorreservierungen teilweise schon vor Gärende! Auch im benachbarten Ausland und auf den britischen Inseln zunehmend beliebt als Aperitif, Zwischenerfrischer und Jausenkontrapunkt. Es wurden auch schon renommierte Weinconnaisseurs mit einem Glas Gelber Muskateller-Spritzer gesehen. Bei allen frequentierten Gelber Muskateller-Verkostungen als „best buy“ vorne mit dabei – das darf, bei aller Bescheidenheit, nicht unerwähnt bleiben.

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TRIE Weiss – das verdeckt-verspielte Gesicht (in der Cuveé)

Im konkreten Fall beim TRIE weiß, wo unsere gesamte Chardonnay-Menge eine „80 Prozent-Plus“ Rolle spielt. Gemeinsam mit Muskat Ottonel macht der Gelbe Muskateller bei diesem sympathischen, zugänglichen, mittelgewichtigen Speisenbegleiter und Zeitvertreiber jahrgangsabhängig ca. 15% der Menge aus. Bei einem TRIE weiß nach einem Jahr gekostet liegt der gefühlte Muskatsortenanteil sicherlich wesentlich höher. Dieses Phänomen erinnert daran, dass früher alles intensiv Schmeckende als „Muskat“ bezeichnet wurde.

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Muscato – das nach wie vor einzigartige Gesicht

Die fulminante Erfolgsgeschichte hat bereits 2002 begonnen. Ausgehend von dem Bestreben, den Gelben Muskateller möglichst früh, unversehrt zu ernten und bestmöglich zu verarbeiten, entstand daraus der Liebling „Der Vielen Genießer“. Die Eckdaten im Telegrammstil: Frühe Ernte; frühmorgens; blitzblanker Most im Kühltransporter zur Sektkellerei Inführ nach Klosterneuburg; Angärung im Drucktank bei 2,5 bar nach dem Buchstaben des Gesetzes; bei 7% Vol. Alk. Gärungsunterbrechung durch Druckerhöhung und Temperaturverringerung; Lagerung unter Druck. Filtration und Abfüllung unter Gegendruck. Dabei entsteht ein Perlwein (lt. Weingesetz) aus 100% Gelbem Muskateller. Ein herrlicher Drink für jede Tageszeit. Mit ausschließlich eigener Gärungskohlensäure – extrem feinperlig und cremig im Trinkfluss – das exakte Gegenteil vom Imprägnierverfahren, mit welchem die meisten am Markt erhältlichen Frizzante gemacht werden. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der Muscato in Sachen Alkohol im Vergleich zum Piemontestablishment genau in der Mitte liegt (Moscato d’Asti 4,5% bis 6% Vol. Alk.; Asti Spumante 9% Vol. Alk.).

Moscato Giallo und Gelber Muskateller …

… sind zweifelsohne verschieden! Wir wollten es genau wissen und haben in unseren Gelber Muskateller-Weingärten auch einige hundert Moscato Giallo-Stöcke gepflanzt. Das sieht komplett anders aus, schmeckt aber auch gut. Der Muscato - per Betriebsgesetz NV - aber immer frisch, ist ein universell einsetzbarer Gaumenkitzler, der selbst einer mehrstündigen Tannat- und Sagrantino di Montefalco-Verkostung ein Holunderblütenfinish bereitet. Einige Weinfreunde nennen ihn den besten Begleiter der Osterpinze – Herrlich ein Muskateller zum (bis in den Abend hinein dauernden) Osterbrunch!

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Ruster Ausbruch – das „Gelber Muskateller hat eine große Zukunft“-Gesicht

Abgesehen und zusätzlich zu den bereits etablierten Gelber Muskateller-Varianten aus dem Hause Triebaumer darf keinesfalls vergessen und vernachlässigt werden: Gelber Muskateller ist neben dem großartigen Sämling 88 (= Scheurebe) mit Sicherheit die edelste Botrytissorte unserer Welt. Sobald es die ständig wachsende Gelber Muskateller-Fläche des größten burgenländischen Gelber Muskateller-Verarbeiters (das sind wir nämlich!) erlaubt, wird die Ruster Antwort auf die Sämling 88-Süßweinprämierungsdominanz Ruster Muskateller heißen.

Viel Freude mit den verschiedenen Gesichtern – wenn Sie noch andere entdecken – schreiben Sie uns!

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