Presseaussendung

Blaufränkisch: Geschichte eines ein Exporterfolgs

2003 übernahmen Günter und Regina Triebaumer den Betrieb seiner Eltern. Der österreichische Rotweinboom war gerade an einem Höhepunkt angelangt und starke Rote ließen sich leicht verkaufen. Der Markt war kaum preissensibel und nahm gewaltige Mengen auf. Besonders erfolgreich waren Cuvées mit „fantasievollen“ Namen – vor allem dann, wenn zu ihrer Bereitung heimische mit internationalen Rebsorten verschnitten worden waren. So wurde der Blaufränkisch des Weinguts bis 2003 mit einem Anteil von ca. 10% Nebbiolo unter dem Namen „Erster Nebel“ verkauft.

Getreu dem Motto „Die Botschaften müssen einfach sein“ setzten Günter und Regina Triebaumer ihre erste betriebsinterne Maßnahme: der beste Blaufränkisch wurde nicht mehr mit Nebbiolo verheiratet. Für das Jungwinzerpaar war es undenkbar, den besten Wein aus der Leitsorte des Gutes in einer Cuvée zu verstecken.

Vom „Ersten Nebel“ zur „Blaufränkisch Reserve“

Der kräftigste Blaufränkisch des Gutes stammte bis 2003 ausschließlich von der Riede „Pandkräftn“, Pflanzjahr 1965 und dem „Alten Riegelpand“, Pflanzjahr 1968. Unverschnitten entstand nun die Blaufränkisch Reserve. Sie hat sich, und das mit Recht, inzwischen zum Prestigewein Nummer eins aufgeschwungen und zeigt von Jahr zu Jahr mehr Potenzial.

Eine Entscheidung gegen den Trend

Als das Weingut noch unter Paul Triebaumer firmierte, trug der klassisch ausgebaute Blaufränkisch die Riedenbezeichnung „Pfarrergmärk“. Damals kamen die Trauben von einem Weingarten mit tiefgründigem Lehmboden in der Blaufränkisch-Kernlage Gmärk (alias Gemerk, Anm. 1). Mittlerweile hat das Weingut von Günter und Regina Triebaumer 25 Hektar unter Bewirtschaftung. Auf achteinhalb Hektar stehen Blaufränkisch-Rebstöcke, die auf 15 Weingärten (davon mehrere in derselben Lage) verteilt sind. Somit ist eine breite Auswahlbasis für Blaufränkisch – klassisch und Reserve – garantiert.

Eine Lagenbezeichnung wäre allerdings nicht ganz ehrlich: Die Produktionszahlen sind wesentlich höher als es die 2,3 Hektar „Pandkräftn“, die 1,1 Hektar „Gmärk“ und die ab 2010 in vollem Ertrag stehenden 1,9 Hektar „Oberer Wald“ erlauben würden. Man muss auch bedenken, dass die Rotweinerträge heutzutage in Handarbeit stark reduziert werden. Also schreiben Günter und Regina Triebaumer bewusst und gegen den Trend keine Einzellagen auf die Etiketten.

Noch 2003 lag Blaufränkisch weit hinter Zweigelt

Vor der Übernahme war das Weingut auf den Ab-Hof-Verkauf ausgerichtet. Günter und Regina Triebaumer nutzen ihre Weinhandelserfahrungen zum Aufbau eines umfassenden Vertriebsnetzes. Zu Beginn des ersten Jahrzehnts waren die Preislisten jener Händler, die vornehmlich an die Gastronomie lieferten, überfüllt mit hochpreisigen Weinen. Regina Triebaumer erstellte eine umfangreiche Analyse dieser Angebote und fand so Ansatzpunkte für Verkaufsverhandlungen. Zweigelt dominierte die Verkaufs-Hitparade. Der beliebteste Zweigelt-Stil: sanftmütig und zuvorkommend, am liebsten von warmen, sandigen Böden stammend. Das Blaufränkisch-Angebot hingegen war noch ziemlich unstrukturiert.

Deshalb sahen die ersten Triebaumer-Händlerlistungen in Österreich so aus: Merlot, Weite Welt (eine Cuvée aus beiden Cabernets und Merlot), Syrah, Muscato, Süßweine und Preis-Leistungs-Weißweine mit distinguierter Frucht-Typizität. Das war zwar für den Cashflow des Betriebes gut, entsprach aber nicht den natürlichen Gegebenheiten der wachsenden Ruster Aufsteiger.

Etwas zeitversetzt, aber mit gleichem Elan, starteten Günter und Regina Triebaumer ihre Exportoffensive. Außerhalb Österreichs offenbarte sich nämlich eine andere Ausgangslage: zwar hießen die Türöffner anfangs auch international Muscato und TRIE rot (Zweigelt, St. Laurent, Cabernet Sauvignon) (Anm. 2), doch auch der klassische Blaufränkisch war in jeder Startformation vertreten. Rasch stellte sich heraus, dass die Importeure Sorten und Stile suchen, die für Österreich und das Burgenland typisch sind. Der Blaufränkisch klassisch mit seiner kirschigen Schwarzpfefferfrucht und würzigen Feurigkeit, fand sofort Zuspruch in jenen Ländern, in welchen diese Rebsorte eher als Lemberger bekannt war (BRD, USA). Aber auch in der Schweiz sowie in Schweden, Holland und England erwies sich das Interesse als nachhaltig und so folgten dem klassischen Blaufränkisch bald Blaufränkisch Cabernet und die Blaufränkisch Reserve.

Die einzigartige Ruster Blaufränkisch-Frucht

Die Gründe für die ausgeprägte, im Burgenland einzigartige Ruster Blaufränkisch-Frucht liegen im schweren Lehmboden der Lagen „Gmärk“, „Untere Pandkräftn“ und „Untere Mitterkräftn“ (Anm. 3). Diese Bodenart verzögert die Reife, verstärkt somit die Frucht und ermöglicht eine verlängerte Vegetationsperiode. Das alleine macht aber noch keinen einmaligen Stil. Dafür braucht es die spezielle Topografie der Ruster Rieden-Arena, die im Frühling den Austrieb deutlich beschleunigt und und eine frühere Blüte ermöglicht. Mit einem Blütebeginn um den 25. Mai (Anm. 4) geht fast jedes Jahr eine Schlecht- und Kaltwetterperiode einher, was traditionell ein gewisses Verrieseln mit sich bringt. Damit werden die Erträge auf natürliche Weise niedrig gehalten. Zugleich entstehen Saft und Kraft.

Die Unverwechselbarkeit des Ruster Blaufränkisch von Günter und Regina Triebaumer wird durch eine weitere Tatsache verstärkt: Bei Neuauspflanzung und Nachpflanzung einer Blaufränkisch-Anlage wird ausschließlich eigenes, blüteempfindliches, lockerbeeriges Rebgut zur Weitervermehrung verwendet. Ein reichtragender oder blütefester Blaufränkisch wäre für die Triebaumers ein Albtraum!

Blaufränkisch en vogue: in den Medien und im Verkauf

Im Laufe der Zeit erzielen Blaufränkisch, Blaufränkisch Cabernet und Blaufränkisch Reserve Weine von Günter und Regina Triebaumer immer wieder sehr schöne Bewertungsergebnisse in der amerikanische Fachpresse. Das fördert, zumindest in den USA, den Verkauf.

Blaufränkisch ist eine Rebsorte, die – mit unglaublich viel Potenzial ausgestattet – momentan in ganz Österreich gleichsam neu erfunden wird. Somit ist der Blaufränkisch nicht nur als Wein, sondern auch als Botschaft in aller Munde – in Österreich und weit über die Landesgrenzen hinaus. Einem Betrieb, der diese Rebe als Leitsorte führt kann also nichts Besseres passieren, als mit ansehen zu dürfen, wie intensiv Blaufränkisch zur Zeit diskutiert wird. Die Ende März in Düsseldorf zu Ende gegangene Fachmesse „ProWein“ bestätigt diese Eindrücke. Blaufränkisch ist zwar heute noch kein Global Player aber in jedem Fall ein Aushängeschild.

Anmerkungen

  1. Der Name kommt von der „Gemarkung“, also Grenzlage (zu Oggau). Nachdem eigene und eigenveredelte Blaufränkisch-Weingärten heranwuchsen, wurde das Pfarrergmärk zurückgegeben und von den Besitzern sogleich gerodet (sic!).
  2. Der erste TRIE weiß wurde mit Jahrgang 2007 im Markt eingeführt.
  3. Der klassische Ruster Blaufränkisch wird seit jeher auf den Lagen Gmärk und Pandkräften gepflanzt. Allerdings wurde in den 60er- und 70er-Jahren die überlieferte Sorten-/Lagenzuordnung des vergangenen Jahrhunderts über den Haufen geworden. D.h.: Alle Sorten wurden ohne Rücksicht auf Riedenspezifik kreuz und quer gepflanzt. Seit einigen Jahren werden die althergebrachten o.g. Lagen wieder „blaufränkischer“, eine rechte und würdige Entwicklung.
  4. Damit gehört der mittel- bis spätreifende Blaufränkisch zu den Sorten mit der längsten Vegetationsperiode und intensivsten Fruchtausprägung.

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