Presseaussendung

Wenn ich einen See seh’
brauch’ ich kein Meer mehr …

Über das Wesen der in Österreich seltenen Rebsorte Furmint

Die alten Ruster sagten: „Der Furmint muss den See spüren, aber nicht sehen!“ Wer seine Informationen noch im Wesentlichen aus eigener oder tradierter Beobachtung schöpft (und nicht aus einer Überfülle von elektronischem Infomüll herauskratzen muss) kann zu solchen klugen Folgerungen kommen. Tatsächlich haben die altvorderen Beobachtungsmeister die Wirkweise des Hotters (Anmerkung 1) gut erkannt. Durch die über Jahrhunderte geschaffene Großterrassen-Topografie des Ruster Weinbau-Hotters entstehen (im Wortsinn) einmalige Verhältnisse für die Rebkultur.

Quarz, Feuerstein und Schiefer dominieren die Böden der südlichen Hotterhälfte. Sie war durchgehend in fünf Geländestufen unterteilt, die durch Trockensteinmauern abgegrenzt wurden. Als mikroklimatisch ideal galten die (von unten gezählt) Stufen drei und vier, denn weiter oben war es zu trocken und zu windig. Die dem See näher gelegenen Rieden der Stufen eins und zwei waren dagegen meist feucht, zu fruchtbar und obendrein stark dem Vogelfraß ausgesetzt. Seit etwa 1944 bestehen die auch wunderschön anzusehenden Mauern zum größten Teil nicht mehr. Die Zeiten ändern sich … die wechselvolle Geschichte des Furmint in Rust beziehungsweise ganz Österreich währt  allerdings schon länger. Wir wollen sie hier erzählen.

Die Geschichte des Furmint

Seit dem 15. Jahrhundert prägt der Furmint gemeinsam mit seiner „Partnersorte“ Gelber Muskateller den Weinstil von Tokaj und Rust. Die Kombination versprach stets Saft, Prägnanz und Eigenständigkeit; eine genaue Lese vorausgesetzt. Von 1890 bis 1893 überrollte die Reblaus den Osten des heutigen Österreich. Die Weinbaubetriebe der Gegend nutzten die darauf folgende Wiederaufbauphase zur Sortenerneuerung. In den folgenden Jahrzehnten hielt die sogenannte „Lenz Moser“-Kultur Einzug. Dabei wurde die bis dahin übliche Stockkultur durch eine Drahtrahmenerziehung ersetzt. Diese Änderung gereichte der Kultur des Furmint zum Nachteil. Denn der großtraubige, saftige Furmint brachte selbst mit zwei oder drei angeschnittenen Zapfen auf einer Stockkultur einen „regulären“ (sprich: „ziemlich guten“) Ertrag. Das trug der Sorte das umgangssprachliche Synonym „Der Zapferte“ ein, welches vor allem in und um Rust und Ödenburg (Sopron) gebräuchlich war.

Durch die neue Erziehungsart (mit langen Fruchtruten) verkam der reich tragende Furmint zum Massenträger. Das Resultat: dünne Weine! Gerade dieser Stil war aber nach, zwischen und vor den Weltkriegen nicht erwünscht. Denn in schlechten Zeiten sehnen sich die Menschen nach Üppigem. So wurde der einst vielgerühmte Furmint zur Nischensorte. Anfang der neunzehnachtziger Jahre drohte ihm das Aussterben. Die österreichische Sortenstatistik verzeichnete damals gerade noch zwei Hektar. Fast ein Wunder, dass er es dennoch in die „Qualitätsrebsortenverordnung“ des neuen Weingesetzes 1985/86 schaffte.

Die Renaissance datiert mit 1990

Nach jahrzehntelanger  Absenz begann die Renaissance des Ruster Klassikers im Betrieb von Günter und Regina Triebaumer. Im Jahr 1990 wurde mit der Auspflanzung in der Ried Geierumriss (vierte Höhenstufe) begonnen. 1993 brachte die erste Ernte (bei trockenem Wetter) ausgereifte kleine Trauben und Beeren ohne Anzeichen von Botrytis. Das gab einen trockenen, mittelgewichtigen Furmint, wie er mittlerweile als betriebstypisch bezeichnet werden kann. Nur anno 1995 ist eine Ausnahme in der seither produzierten Jahrgangsserie zu verzeichnen. Durch sehr frühe Botrytisbedingungen wurden damals edelfaule Trauben geerntet. Schon Mitte September konnten die Beeren für einen Ruster Ausbruch (aus Furmint und Gelbem Muskateller) gewonnen werden. Ein herrlicher Wein. (Dennoch war die Freude durch einen fremden Einfluss getrübt: Die „Korkgeschmacks-Quote“ lag bei horrenden 50 Prozent).

In Österreich wird Furmint heute ausschließlich in Rust angebaut. Zehn Ruster Betriebe führen neun Hektar der Sorte im Ertrag. Im Frühjahr 2009 pachtete das Weingut von Günter und Regina Triebaumer eine 1989 ausgepflanzte Furmint-Fläche in der Ried Plachen. (Dritte Höhenstufe). Der 2009er Furmint aus dem Hause Triebaumer kommt daher von einem Neuntel der gesamtösterreichischen Furmint-Fläche. So schön kann Statistik sein! Die oben genannte Anlage dürfte größtenteils aus sehr schwachwüchsigen Furmint-Reben bestehen. Das gibt Anlass zur Vermutung, dass in Zukunft ein etwas kräftigerer, vollerer Weinstil vom Triebaumer-Furmint zu erwarten sein wird. Die Rebsorte ist großbeerig, dichttraubig und dünnschalig. Späte Blüte und ebensolche Reife bedingen ein saftiges Säure-Potenzial. Das ermöglicht eine optimale Balance im Wein, für den Fall dass er nicht vollständig durchgegoren wurde, also ein Zuckerrest verblieben ist.

Die markanten (großen und groben) Blätter des Furmint sind an der Unterseite behaart – fein, aber vollständig. Man spricht sogar von „flauschigen“ Furmint-Blättern, die Sorte ist leicht zu erkennen. Die Literatur beschreibt die „Grund-Aromen“ des Furmint so: Erinnerungen an reife, gelbe Birnen und ebenfalls reife Quitten. Der Furmint erinnert somit an große Chenins von der Loire. Regina und Günter Triebaumer können diese Eindrücke bestätigen. Auf den Weinkühlern am Gut liegen – zum direkten sensorischen Vergleich – oft monatelang charaktervolle und hocharomatische Quitten.

Ein deutsches Weinmagazin bezeichnete den Furmint mit „Riesling des Ostens“. Die Parallelen sind unverkennbar: Tatsächlich wird die Sorte spät reif, sie ist mit hohem Potenzial für beste, knackige Säure ausgestattet. Furmint gedeiht – wie der Riesling – auf trockenen Standorten besser und beansprucht sorgfältige Handlese.

Furmint als Speisenbegleiter

Die Möglichkeiten des Furmint zur Speisenbegleitung sind vielfältig. Er mundet zu heimischen Schmankerln aus der burgenländischen Strudelküche (Kraut- oder Bohnenstrudel) und zu Fischen aus dem See. Ein mittelgewichtiger, fruchtiger Furmint-Typus (also einer, der geerntet wurde, noch bevor die Botrytis auftritt) harmoniert auch mit Gemüsen und Kräutern von der eher herben Art, wie Fenchel, Stangensellerie, Kerbel oder Kohlrabi. Das Winzerpaar hatte erst kürzlich im Salzburger „Esszimmer“ der Familie Kaiblinger ein feines kulinarisches Erlebnis. Es sei abschließend hinzugefügt. Der Wirt wurde befragt, was ihm zur mitgebrachten Kostprobe Furmint 2009 einfällt. Einige Minuten später servierte er dezent angebratene Langustinos mit Melonen-Zuckerschoten-Gemüse. Höchst delikat; besonders in Kombination mit dem Triebaumer Furmint.

Weiterführende Links

Printfähiges

Anmerkungen

  1. Im Nordburgenland bezeichnet man das landwirtschaftliche Nutzgebiet einer Gemeinde als „Hotter“.
English version