Presseaussendung

Zwei Seelen in einer Brust

Rust, im März 2012

Den Weinjahrgang 2011 werden alle österreichischen Weinproduzierenden ob der enormen Traubenreife und des äußerst angenehmen Erntewetters wohl sehr lange in guter Erinnerung behalten.

Dennoch ist auch ein solcher Herbst nicht frei von wichtigen Entscheidungen – einmal ganz abgesehen von der Erntemethode als grundlegender Qualitätsfaktor.

Dies sei anhand eines konkreten Beispiels erläutert: Seit 1993 erzeugt der Betrieb von Günter & Regina Triebaumer nunmehr einen trockenen, saftigen, mittelgewichtigen Furmint. Eine Rebsorte mit mehr als 600 Jahren Tradition in der malerischen Freistadt Rust. Sie ist definitiv spätreif und gleichzeitig dünnschalig, was wiederum Botrytisanfälligkeit nach sich zieht.

Vor diesem Hintergrund und mit dem Vorsatz, die Furmint Trauben stets vollkommen gesund und ohne jeglichen Pilzbefall zu ernten, erreicht der Alkoholwert im langjährigen Durchschnitt kaum je mehr als 12,5 % Vol. Mit diesem Stil ausgestattet, präsentiert er sich als fruchtbetonter Speisenbegleiter und reüssierte (für uns unerwartet) als absolut autochthone Ruster Spezialität auch im Export.

Alle Interessenten und Abnehmer konnten sich auf diese Kontinuität stets verlassen. Im Herbst 2011 war allerdings von Botrytis weit und breit nichts zu bemerken und die Furmint Trauben erreichten eine immer außergewöhnlichere physiologische Reife.

Im Zweitagesrhythmus stellte sich also die Frage: „Stil beibehalten und unversehens ernten? Oder vielleicht eine Gelegenheit wahrnehmen, wie sie bei derartig diffizilen Sorten nur alle 15 Jahre auftritt?“

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